Schoppenwein – ein Plädoyer

Ich bekenne es: ich bin ein Fan von Schoppenwein und damit man mich nicht falsch versteht: Ich mag auch die großen, breiten Weine, die meine ganze Aufmerksamkeit fordern, alle meine Sinne bewegen und mich ganz und gar in ihren Bann ziehen. Die Weine, die ich erst einmal stundenlang erschnüffeln möchte und die ich manchmal gar nicht trinken will, weil mich ihre Blume, ihr Bukett einfach in ihren Bann zieht.

Aber für diese Weine brauche ich Zeit, Ruhe und Muße. Für mich passen sie nicht so recht in meinen Alltag. Ich liebe sie an Sonn- und Feiertagen. Im Alltag sind sie mir ehrlich gesagt zu anstrengend, eben weil sie mich fordern.

Nach einem anstrengenden Arbeitstag, an dem ich mich manchmal so fühle, als sei ich die Vorlage für das Lied “Nur noch kurz die Welt retten” von Tim Bendzko gewesen, möchte ich einfach nur auf meine Couch und mich sanft berieseln lassen. Möchte meine Lieblingsserie im Fernsehen schauen, einen Schnulzenroman lesen, leichte Musik hören und einfach abschalten.

Dazu passt für mich kein Wein, der eine echte Herausforderung darstellt, sondern am besten ein leichter süffiger Schoppenwein; manchmal weiß, manchmal rot, je nach Lust und Laune. Manchmal in einer Literflasche und manchmal auch in einer 0,75 Literflasche. Ich liebe diese herrlich leichten und unkomplizierten Weine!

 

Schoppenwein – Herz und Seele

Ein befreundeter Winzer sagte einmal zu mir: “Am Schoppen- und am Kabinettwein erkennst du den Winzer.” Eine Aussage, die ich inzwischen verstehe, denn es gibt durchaus Winzer, die auf ihre hochpreisigen Weine enorme Energien verwenden, um diese zu wahrhaft grandiosen Weinen zu machen, die aber auf ihre Schoppenweine leider beinah keine Energie verschwenden, da fragt man sich dann schon ab und an, ob hinter diesen Weinen wirklich ein Winzer mit Leib und Seele steckt oder nur einer, der mit seinen Erzeugnissen möglichst viel Geld verdienen will …

Inzwischen kenn ich meine Pappenheimer und habe meine Lieblingswinzer in Bezug auf Schoppenweine. Vielfach sind dies Winzer, die sich auf Schoppenweine spezialisiert haben, die vor allem Literweine im Angebot haben und diese mit viel Liebe, Zeit und Aufwand ausbauen und wirklich herrliche Tropfen abfüllen, die man eigentlich nicht unbedingt in einer Literflasche erwarten würde. Klassischerweise landen zumeist Riesling, Müller-Thurgau (auch Rivaner genannt) sowie Gutedel und Silvaner in Literflaschen. Aber es gibt auch rote Literweine: Hier sind es vor allem Portugieser und Heroldrebe.

Und was mache ich nun, nachdem ich dieses Plädoyer verfasst habe?
Richtig: Ich setze mich auf die Couch und trinke einen Schoppen.

Schoppenwein
Schoppenwein Foto: A. Kircher-Kannemann

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