Riesling – König der Reben

Riesling ist bis heute die typischste und am häufigsten angebaute Rebsorte in Deutschland. Vor allem die Anbaugebiete Mosel, Mittelrhein, Rheingau und Hessische Bergstraße sind für ihre qualitativ hochwertige Rieslinge weltweit bekannt. Weltweit gilt die Rebsorte als eine der edelsten unter den Weißweinen und stellt höchste Ansprüche an ihren Standort.

Riesling am Schloss Johannisberg Rheingau
Die Riesling-Weinberge am Schloss Johannisberg im Rheingau
Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Geschichte und Abstammung

Der Riesling ist laut Dipl. Ing. Dr. Ferdinand Regner, Leiter der Abteilung Rebenzüchtung der Höheren Bundeslehranstalt und des Bundesamtes für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, Österreich, eine durch mehrere Kreuzungen entstandene Rebsorte. Dabei kam es wohl zunächst zu einer Kreuzung zwischen einer autochthonen, d.h. alteingesessenen und einheimischen Rebsorte vom Rhein mit Traminer. Die daraus entstandene Sorte kreuzte sich mit Heunisch, der wahrscheinlich für den Säuregehalt des Rieslings verantwortlich ist.[1] Die Herkunft des Namens ist nicht ganz geklärt. Er geht entweder auf „Rußling“ zurück, was so viel bedeutet wie „dunkles Holz“ oder auf „Rißling“, was auf den hohen Säureanteil des Weines hindeuten würde.

Klar sind aber die ersten urkundlichen Belege, die aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen.

Bereits im Mittelalter begann die Verbreitung des Rieslings vom Rhein ausgehend in alle damaligen deutschen Weinbauregionen; dass ausgerechnet die Mosel das wichtigste und weltweit größte zusammenhängende Rieslinganbaugebiet wurde, hängt eng mit der Geschichte des Kurfürstentums Trier zusammen. Der Erzbischof Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1739-1812), Kurfürst von Trier, verfügte im Jahr 1787, dass in seinem Territorium nurmehr diese eine Rebsorte anzubauen sei.

 

Riesling Trauben
Riesling
Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Beschreibung

Die Rebsorte eignet sich besonders gut zum Anbau in kühleren Regionen, wahrscheinlich wurde er gerade deswegen zur Hauptrebsorte in Deutschland. Dennoch ist der Riesling eine spätreifende Rebsorte und wächst besonders gut an Steillagen mit steinigen Untergründen, die die Wärme des Tages gut speichern können. Solche Bedingungen finden sich vor allem an der Mosel und am Rhein, aber auch an Ahr und Nahe.

Der hohe Säureanteil der Rieslingweine führt dazu, dass sie relativ gut 5 – 10 Jahre gelagert werden können.

Der Riesling hat mittelgroße rundliche fünflappige Blätter. Die Traube ist zylinderförmig, klein und dichtbeerig. Die dickschaligen Beeren sind ebenfalls klein und haben eine gelb-grünliche Färbung. Die Rebsorte treibt spät aus, so dass sie relativ wenig empfindlich gegen die Späfröste der Eisheiligen ist.

Inzwischen gehen viele Neuzüchtungen auf den Riesling zurück wie etwa Ehrenfelser, Johanniter und Ehrenbreitsteiner, Rebsorten, die allerdings nur in kleinem Umfang angebaut werden. Unter den „Kindern“ des Rieslings finden sich aber auch so bekannte Namen wie Kerner und Scheurebe. Die wohl bekannteste auf ihn zurückgehende Rebsorte jedoch dürfte der Müller-Thurgau sein, der in Deutschland inzwischen den zweiten Platz in der Anbaustatistik einnimmt.

Riesling Weinstock
Riesling – Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Geschmack

Der Riesling besticht durch seine Fruchtaromen, die wie bei kaum einem anderen Wein vom Terroir – also vom Boden auf dem der Rebstock wächst – abhängig sind. Vor allem bei jungen Rieslingweinen treten Aromen von Apfel, Pfirsich, Aprikose, Limone und Grapefruit in den Vordergrund. Auch eine leichte Muskatnote ist in manchen Fällen zu finden. Diese Weine sind spritzig und eher leicht. Die möglichen Zitrusaromen entstehen bei Riesling vermehrt, wenn er auf schweren Löss-Lehmböden wächst. Aprikosenaromen hingegen sind vor allem bei Rieslingen zu beobachten, die an Mosel oder Mittelrhein auf Verwitterungsböden gewachsen sind.

Gerade das Apfelaroma aber verliert sich, wenn der Wein älter wird,  daher sind ältere Rieslingweine nicht nur kräftiger sondern auch geprägt durch Mineral- und Bodentöne.

Besonders gut eignet sich der Riesling auch zum Ausbau als edelsüßer Wein, also als Eiswein oder Beeren- bzw. Trockenbeerenauslese. Durch die in diesen Trauben vorhandene Edelfäule erhält er ein intensives Honigaroma, dass sehr gut mit der vorhandenen Säure harmoniert.

Einen ganz besonderen Ruf hat der Riesling der Mosel. Er zeichnet sich aufgrund der dort vorhandenen Schieferböden durch eine besonders mineralische Note aus. Wird er hingegen auf schwereren Böden, wie etwa in der Pfalz, angebaut, so wird er meist voluminöser und säureärmer als auf steinigem Terrain.

Bremmer Calmont Moselanbaugebiet Riesling
Rieslinganbaugebiet Mosel – Bremmer Calmont –
Foto: A. Kircher-Kannemann

Riesling – Hochgewächs – Definition

Der Begriff Riesling-Hochgewächs stammt aus dem deutschen Weingesetz. Er beschreibt seit dem Jahr 1987 einen „Typenwein besonderer Herkunft“. Der Begriff Hochgewächs darf nur angewendet werden, wenn der Riesling mit Q.b.A. bezeichnet wird, zudem muss der Alkoholgehalt 1,5 Volumenprozent über dem Richtwert für den Mindestalkoholgehalt der Anbauregion liegen. Außerdem muss der Wein bei der amtlichen Qualitätsprüfung mindestens die Qualitätszahl 3 erreichen. Damit liegen die als Hochgewächs bezeichneten Weine knapp unterhalb von Kabinettweinen.

Die Bezeichnung Hochgewächs gilt nur für Riesling, keine anderen Rebsorten dürfen sie führen.

 

[1]Veröffentlichung der E-Mail Regners mit Informationen zur Abstammung des Rieslings: http://www.graf-von-katzenelnbogen.com/klosterneuburg.html

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